Leseprobe Bodensee-Roman

KOSCHNIZ UND DIE GÖTTER AM BODENSEE
3 Auflagen, vergriffen.
Erhältlich als Kindle-Ebook bei Amazon: Hier klicken

Inhaltsverzeichnis:


Überfahrt
Dreieck
Luft
Feuer
Wasser
Erde
Kreis
Neubeginn



Textauszug Kapitel 'Kreis', Seite 91:
Der Alte von der Meersburg führte ihn und Singharro durch die merkwürdigerweise noch immer menschenleeren Gassen zur Seepromenade hinunter. Vor den Häusern lagen Berge von Blütenkränzen bereit, überall schepperte laute Musik aus unzähligen Lautsprechern, auf Markttischen türmten sich zuckertriefende Süßigkeiten, Schalen mit wohlriechenden Gewürzen und farbigem Pulver, Fläschchen mit irgendwelchen Flüssigkeiten, ausgefallener Silberschmuck, Feuerwerkskörper, exotische Holzschnitzereien, Teppiche, reich verzierte Teekannen, jede Menge Götterstatuen und Heiligenfiguren in allen Größen und aus unterschiedlichsten Materialien, daneben Rosenkränze, indianische Trommeln, Edelsteine, Räucherstäbchen, unzähliger Klimbim aus der ganzen Welt.
Aber kein einziger Marktfahrer war zu sehen, kein einziger Händler. Jemand musste doch diesen orientalischen Bazar aufgebaut haben? Wo waren diese Leute? Seltsamerweise hörte Koschniz Wortfetzen in Sprachen, die er nicht verstand, er sah Licht in den Häusern, blickte durch offene Fenster. Und doch liess sich weit und breit niemand blicken.
War Meersburg etwa von Unsichtbaren bevölkert?

...
Seite 94:
„Der Zusammenfluss ist vollbracht!“ brüllte der Alte von der Meersburg aus vollem Halse. Sein Ruf entfaltete die Wirkung eines Urknalls. In den folgenden Augenblicken begannen sich die Ereignisse zu überstürzen. Koschniz erschrak zu Tode, der Hüter des Mysteriums geriet völlig aus dem Häuschen, und Singharro tanzte wie von Sinnen. Was dann an diesem lauen Herbstabend am Saum des Nirwana in Meersburg geschah, würde Koschniz bis zu seinem Lebensende und vermutlich weit darüber hinaus nie mehr vergessen.

Von einer Sekunde auf die andere stürzte ein endloser Strom schriller Figuren wie eine gewaltige Flutwelle aus den Häusern und drängte zur Meersburger Seepromenade. Götter und Göttinnen aller Kontinente, Hautfarben und Zuständigkeitsbereiche mitsamt ihrem Gefolge mischten sich mit Gestalten aus dem Tier- und Pflanzenreich zu einem bunten, wogenden Knäuel, pulsierender als alle Karnevalsumzüge der Welt zusammen. Meersburg verwandelte sich in einen Vulkan der Begeisterung, in einen brodelnden Hexenkessel. Alle wollten die Ankunft von Bodana sehen. Singharros knallroter Turban leuchtete noch knallroter als sonst. Er packte Koschniz mit beiden Händen an den Schultern und schüttelte ihn außer sich vor Freude durch. Dann verloren sie sich in der bebenden Masse aus den Augen.
...
Seite 99:
Musik dröhnte von überall her, die Gebäude erzitterten. Weitere, prächtig geschmückte Elefanten folgten hinter ihnen. Er glaubte, auf einem der Tiere die Musiker zu erkennen, mit denen Sophia, Jacoba, wie immer sie hiess, unterwegs war. Koschniz versuchte, zu ihr zu blicken, doch das war ganz schwierig, alles drehte sich in seinem Kopf, denn die Plattform auf dem Elefanten ruckelte und schaukelte wie ein Schiff bei schwerer See. Endlich erhaschte er einen kurzen Blick auf sie.

Sie bemerkte ihn auch, warf ihm einen Handkuss zu, bloß eine kurze Sekunde lang, dann verunmöglichte die nächste gewaltige Woge mit Abertausenden von Göttern und Göttinnen und ihrem völlig ausgeflippten Anhang die Sicht zu ihr. Im kleinen Meersburger Hafenbecken am Ende der unteren Altstadt blieb ihr Elefant stehen. Der endlose, vibrierende Strom der Festbesucher drängelte in überschäumender Freude an ihnen vorbei zu den winzig kleinen Schiffchen.

Zu Tausenden stiegen sie gleichzeitig in die Holzboote, die wie Nussschalen aussahen und kaum größer als Badewannen waren. Helfer reichten den Passagieren Berge von Blüten und Blumengirlanden, die gleich wieder voller Begeisterung ins Wasser geworfen wurden. Der große Fluss verwandelte sich im Hafen von Meersburg in ein einziges Blütenmeer, das Wasser war unter dem Blumenteppich nicht mehr zu sehen.

Immer neue, nicht endende Feuerwerke stiegen von der Hafenmole empor und zeichneten prächtige Bilder an den Nachthimmel. Tausende von Transparenten wurden auf den winzigen Schiffchen geschwenkt, unzählige Hände schlugen auf Tamburine, Rasseln, Schellen und Trommeln. Statuen, Instrumente und Elefanten wurden in die winzigen Boote verfrachtet.
Auf-, in- und übereinander geschichtet saßen und standen die Passagiere wie Trauben in den hoffnungslos überladenen Nussschalen. Die wogende Masse auf den Booten winkte, wippte, jubelte, sang, lachte ausgelassen und brüllte vor Freude. Drüben, am anderen Ufer, wären diese Schiffchen zum sicheren Kentern verurteilt gewesen, doch hier, inmitten dieses göttlichen Chaos, sprühte alles vor purer Lebensfreude; niemand sorgte sich um irgendetwas. Gemächlich trieben die Nussschalen mit ihren Göttertrauben an Bord auf den See hinaus.

Unzählige flackernde Fackeln auf den Schiffchen zauberten eine endlose Lichterkette auf das Wasser. Am nächtlichen Horizont verschwanden die Boote irgendwo in der Ferne, irgendwo draußen, auf dem großen Fluss, auf dem Bodensee. Irgendwo im hell erleuchteten Dunstschleier, aus dem das Stimmengewirr noch lange nachhallte.


PRESSESTIMMEN zu meinem Bodensee-Roman:

Pressestimmen:

Intelligent und humorvoll verflicht Zingg Realitäten, führt Okzident und Orient zusammen, lässt dabei auch mal indische Elefanten am Bodensee auftreten, führt alles eckige in den einen grossen Kreis zusammen – und das alles während der einfachen Überfahrt auf der Fähre von Romanshorn nach Friedrichshafen...
Südkurier, Konstanz


Was ist das nur für ein witziges Buch: Koschniz und die Götter am Bodensee! Wie kommt man auf die Idee, so etwas zu schreiben? Reicheno, Linda und Maina - da kichert selbst der Alte von der Meersburg. Dieser Roman sollte weitere Verbreitung finden, und nicht nur bei den Bodensee-Fans! Das Buch hat das Zeug zum Bodensee-Klassiker!
Gerd Heger, Saarländischer Rundfunk


Ausdrucksstark und poetisch erzählt er in seinem zweiten Roman von Wünschen, Hoffnungen und Sehnsüchten. Da werden Erinnerungen an die großen Figuren Dürrenmatts und Frischs lebendig, in deren Tradition Zingg seine Geschichten und Sagen webt. Die Grenzen sind fließend und genau das ist Zinggs Anliegen: Der Bodensee als Symbol, Indien im Herzen und ein Bergwerk voll gedanklicher Möglichkeiten, die es auszuschöpfen gilt.
Neue Nordhäuser Zeitung (Thürigen)


Der Leser glaubt sich in andere Welten versetzt, wenn er dem Autor ins Bergwerk folgt, oder wenn etwa aus dem gesegneten Landstrich Thurgau die Fruchtbarkeitsgöttin Thurgovia wird...
Thurgauer Zeitung


Ein Roman, geschrieben in leicht lesbarem Stil, eine positive Geschichte, die ohne Gewalt auskommt.
Ostschweizer Tagblatt



Mit diesem Buch in seiner bildhaften Sprache kann man dem Grau des Alltags entfliehen und eintauchen in eine geheimnisvolle Welt voller Schönheit, Magie und Wirklichkeit. Es ist derart faszinierend, spannend und liebevoll geschrieben, dass Lasten, die wir in uns tragen, in einer unbeschreiblichen Schwerelosigkeit enden...
ForumKirche, Weinfelden


"Der Autor fördert aus der Tiefe seines Ideenbergwerks immer wieder verblüffende Schätze zu Tage." So lautet das Urteil eines Kritikers über das Werk von Damian Zingg, einem der originellsten und farbigsten Autoren der Schweizer Literaturszene... Die Zeche Sophia-Jacoba hat durch ihn ein literarisches Leben ganz eigener Art erhalten: Koschniz findet sich in der zweiten Hälfte des Romans in einer Mischung aus Traum und Wirklichkeit in einem Stollen unterhalb von Meersburg wieder und sorgt dafür, daß „ein Hauch von Glückseligkeit vom Nirwana in den Bodensee fließen" kann.
Bergbaumuseum Schacht 3, Hückelhoven